Trans-Resveratrol: Zelluläre Stressantwort, Nährstoffwahrnehmung und Zusammenwirken mit NAD⁺-Systemen
Trans-Resveratrol ist ein naturreines Polyphenol, das unter anderem in Traubenschalen, Beeren und Erdnüssen sowie in der Japanischen Staudenknöterichpflanze vorkommt. In der Alternsforschung erhält es vor allem aufgrund seines Einflusses auf zelluläre Stressantworten, den Energiestoffwechsel und sogenannte Nährstoffwahrnehmungs-Signalwege wie AMPK und SIRT1 Aufmerksamkeit, die zu den Kernmechanismen des Alterns gehören.¹
Auf molekularer Ebene aktiviert Resveratrol mehrere miteinander verknüpfte Signalwege, die Zellen dabei helfen, sich an Stoffwechselstress anzupassen. Es stärkt die AMPK–SIRT1–PGC-1α-Achse, was mit einer verbesserten Mitochondrienfunktion, Energiebilanz und Stressanpassung zusammenhängt. Über diese Wege werden auch Transkriptionsfaktoren wie FOXO beeinflusst, die an der antioxidativen Abwehr und zellulären Widerstandskraft beteiligt sind. Darüber hinaus kann Resveratrol AMPK indirekt aktivieren, unter anderem durch Hemmung von Phosphodiesterasen, wodurch der NAD⁺-Rettungsweg angeregt und die Aktivität von SIRT1 gesteigert wird. Diese Vorgänge zeigen starke Ähnlichkeiten mit den biologischen Wirkungen einer Kalorienbeschränkung.¹ ⁴
Neben seiner Rolle in der Nährstoffwahrnehmung besitzt Resveratrol ausgeprägte antioxidative und entzündungsmodulierende Eigenschaften. Es kann die Bildung reaktiver Sauerstoffverbindungen begrenzen, antioxidative Enzyme unterstützen und entzündungsfördernde Signalwege wie NF-κB dämpfen. Dadurch trägt Resveratrol zur Verringerung chronischer niedriggradiger Entzündung und zum Schutz vor kumulativen zellulären Schäden bei, insbesondere in Geweben mit hohem Energiebedarf.¹ ⁵
Studien am Menschen zeigen, dass Resveratrol bei Menschen mit Stoffwechselbelastung, wie Typ-2-Diabetes oder dem Stoffwechselsyndrom, zu Verbesserungen der Glukose- und Fettstoffwechselregulation sowie zu einem günstigeren Entzündungsprofil beitragen kann. In einigen randomisierten Studien wurden Senkungen von Markern wie CRP beobachtet. Obwohl die Ergebnisse zwischen Studien etwas schwanken, weisen längere Behandlungen auf einen positiven Einfluss auf die Stoffwechselgesundheit hin.²
Vorklinische Forschung stützt diese Befunde zusätzlich. In Tier- und Zellmodellen verbessert Resveratrol die mitochondriale Wirksamkeit, beeinflusst den Fettstoffwechsel und regt Prozesse wie Autophagie und zelluläre Wiederverwertung an. In bestimmten Modellen wurde eine Lebensdauerverlängerung über sirtuinabhängige Wege beobachtet.¹ ³
In der Alternsforschung erhält Resveratrol zusätzliche Aufmerksamkeit aufgrund der Wechselwirkung mit NAD⁺-Systemen. SIRT1 ist ein NAD⁺-abhängiges Enzym und arbeitet bei ausreichender intrazellulärer NAD⁺-Verfügbarkeit am besten. NAD⁺-Vorstufen wie NMN erhöhen diese NAD⁺-Spiegel, während Resveratrol die Aktivität und Signalfunktion von SIRT1 verstärkt. Durch diese ergänzende Wirkweise kann die Kombination – ausgehend von der Wirkungsweise – von Resveratrol und NMN stärkeren Einfluss auf Energie- und Stresswege ausüben als jeder Stoff für sich.¹ ⁶
Zusammenfassend wirkt Trans-Resveratrol nicht nur als Antioxidans, sondern als molekularer Regler der Stress- und Energiebilanz. Durch die Unterstützung der Nährstoffwahrnehmung, das Dämpfen oxidativer und entzündlicher Belastung sowie die Stärkung NAD⁺-abhängiger Signalwege trägt Resveratrol zu zellulärer Widerstandskraft, stoffwechselbezogener Anpassungsfähigkeit und einer robusten Gesundheitsspanne bei.¹
Quellen:
- Zhou DD et al. Wirkungen und Wirkmechanismen von Resveratrol auf das Altern und altersbezogene Erkrankungen.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8289612/ - Springer ML et al. Resveratrol und seine menschlichen Stoffwechselprodukte: Stoffwechselwirkungen, Insulinempfindlichkeit und Entzündung.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6357128/ - Zhang LX, Li CX. Pharmakologische Wirkungen von Resveratrol: eine Übersicht.
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0753332221009483 - Resveratrol verstärkt die AMPK–SIRT1–PGC-1α-Signalgebung.
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/mco2.70252 - Hou CY et al. Resveratrol beim Stoffwechselsyndrom und der Entzündungsregulation.
https://www.mdpi.com/1422-0067/20/3/535 - Sharma A et al. Wechselwirkung zwischen NAD⁺-Vorstufen und Geroschutzstoffen einschließlich Resveratrol. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9861325/