Mehr als ein Sportnahrungsergänzungsmittel: die Rolle von Kreatin bei der Gehirnenergie
Obwohl Kreatin vor allem als Supplement für die Muskelperformance bekannt ist, spielt das Molekül auch eine wichtige Rolle im Energiehaushalt des Gehirns. Das Gehirn verbraucht etwa 20% der gesamten Energie, die der Körper benötigt, obwohl es nur einen kleinen Teil des Körpergewichts ausmacht. Eine stabile Energieversorgung ist daher essenziell für optimale kognitive Funktionen.
Wie in Muskelzellen fungiert in Gehirnzellen das Kreatin-Phosphokreatin-System als Energiepuffer. Phosphokreatin kann ATP schnell regenerieren, wenn Neuronen plötzlich zusätzliche Energie benötigen, beispielsweise bei intensiver kognitiver Aktivität. Dadurch kann Kreatin zur Stabilisierung der Energieversorgung in Gehirnzellen beitragen.
Verschiedene Studien haben untersucht, ob eine Kreatin-Supplementierung auch die kognitive Leistungsfähigkeit beeinflussen kann. In einer randomisierten Studie von Rae et al. (2003) erhielten gesunde Erwachsene sechs Wochen lang Kreatin oder ein Placebo. Die Forschenden beobachteten in der Kreatin-Gruppe signifikante Verbesserungen im Arbeitsgedächtnis und bei der Leistung in komplexen kognitiven Aufgaben.
Außerdem legt ein systematisches Review von Avgerinos et al. (2018) nahe, dass Kreatin möglicherweise positive Effekte auf kognitive Funktionen wie Gedächtnis und mentale Leistungsfähigkeit haben kann, insbesondere in Situationen, in denen der Energiebedarf des Gehirns erhöht ist, etwa bei Schlafmangel oder mentaler Ermüdung.
Neben diesen Effekten auf die kognitive Leistungsfähigkeit wird Kreatin auch wegen möglicher neuroprotektiver Eigenschaften untersucht. Experimentelle Forschung legt nahe, dass Kreatin die mitochondriale Funktion unterstützen und Gehirnzellen vor Energieerschöpfung und oxidativem Stress schützen kann.
Obwohl die Forschung in diesem Bereich noch in Entwicklung ist, deuten die aktuellen Erkenntnisse darauf hin, dass Kreatin möglicherweise nicht nur für die Muskeln relevant ist, sondern auch für den Energiehaushalt des Gehirns.
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Quellen:
Rae C et al., Proceedings of the Royal Society B, 2003. https://doi.org/10.1098/rspb.2003.2492
Avgerinos KI et al., Experimental Gerontology, 2018. https://doi.org/10.1016/j.exger.2018.07.013